Am Samstag, den 13.10.2018, versammelten sich am Chlodwig-Platz in Köln einige Aktivisten aus der anti-israelischen Szene zu einer Demonstration. Unter dem Titel „Frieden ist möglich – auch in Palästina“ wollte man auf 16 Schautafeln den Kölner Bürgern zeigen, wer der eigentliche Bösewicht in Israel ist: nämlich die Israelis selbst.
Ich kam leider verspätet zu der Veranstaltung, so daß ich das Einschreiten der Polizei gegen eine 60-jährige Dame [6] nicht mehr mitbekam. Diese gehörte zu den Betreuern der Ausstellung und stürzte sich gleich zu Beginn der Veranstaltung auf die mit drei kleinen Israel-Fähnchen „bewaffnete“ Malca Goldstein-Wolf, die als jüdische Kölner Aktivistin inzwischen bundesweit bekannt geworden ist – siehe etwa ihr offener Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow und dessen positive Reaktion darauf [8]. Glücklicherweise haben das konsequente Einschreiten der Polizei und mehrerer Freunde aus der pro-israelischen Szene dafür gesorgt, daß die Veranstaltung ohne weitere Zwischenfälle zu Ende ging (Wer mehr zu diesem Vorfall lesen will, findet genügend Hinweise und Informationen dazu bei den Links am Ende dieses Artikels).
Da ich selbst nur noch die letzten 20 Minuten der Veranstaltung miterlebte und mir dabei insbesondere die 16 Schautafeln genauer ansehen konnte, möchte ich zu Form und Inhalt dieser „Informationen“ etwas bemerken. Auf einer Schautafel mit der hochwissenchaftlich klingenden Überschrift „Postkoloniale Studien“ ist da z.B. von einem „zionistischen Siedlerkolonialismus“ die Rede, der sich durch „Gewalt, Expansionsbestrebungen“ und natürlich „Rassismus“ kennzeichnet.
Und damit man die ganzen „postkolonialen“ Geschehnisse auch besser im Kopf behält, werden noch ein paar Bilder hinzugefügt – die sind ja immer eine gute Unterstützung für das Gedächtnis. Deshalb durfte auf dieser Schautafel natürlich das Bild vom „Landraub“ nicht fehlen. Claudio Casula hat diese Grafik in seinem Beitrag über Kartentrickser ([9]) einmal als Piktogramm für historische Analphabeten bezeichnet, was man eigentlich eher als witzige Untertreibung bezeichnen kann. Wer mehr über diesen „Antizionistischen Kartentrick“ lesen möchte, findet auf dem Blog von Lizas Welt eine gute Zusammenfassung.
Auf Schautafel Nr.3 geht es um die „Gründung des Staates Israel“ – u.a. auch um die Gründe der UNO für ihre Entscheidung zugunsten eines neuen Staates Israel. Da lesen wir z.B.

„Nach der großangelegten europaweit organisierten Judenverfolgung durch den Nationalsozialismus in Deutschland suchen die überlebenden Juden verzweifelt nach einer neuen Bleibe. Statt ihnen im Westen einen sicheren Ort zu schaffen, weist ihnen die UNO eine neue Heimat in Palästina zu“.

Das verstehe wer will – wo doch die Juden mit Palästina gar nichts zu tun haben!
Statt dessen hätte man sie doch nach Madagaskar abschieben können, wie das schon die Nazis (oder auch andere Deutsche vor 1900) geplant hatten:

Juden nach Madagaskar Der deutsche Orientalist Paul de Lagarde schrieb 1885 als Erster in seinem Aufsatz „Über die nächsten Pflichten der deutschen Politik“ eher beiläufig über „nach Madagaskar abzuschaffende“ Juden. Madagaskar sei die weit klügere Wahl als etwa Palästina, betonte Lagarde, Vertreter des völkisch-rassistischen Antisemitismus.

(Klicken Sie links auf das Bild, um es größer darzustellen) Aber nicht nur die Gründung des Staates Israel ist für die von Hans Mörterr, Pfarrer der Kölner Luther-Kirche, protegierte Ausstellung „Frieden ist möglich – auch in Palästina“ ein wichtiges Thema, sondern auch die sog. „Abriegelung“ von Gaza. Auch zu diesem Thema gab es eine Schautafel mit vielen erläuternden Texten, z.B. zum „israelischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung Gazas“:

Die im Gaza-Ghetto lebenden Palästinenser sind verzweifelt. Sie leisten Widerstand gegen das Eingesperrtsein im eigenen Land. Sie basteln kleine Raketen und schießen sie nach Israel ab.

Da fragt man sich ja schon, warum die Israelis vor einem Gegenangriff gegen Hamas-Stellungen über den betreffenden Gebieten zunächst Flugblätter abwerfen, auf denen ein Angriff angekündigt wird, damit sich Zivilisten in Sicherheit bringen können. Warum schicken die Israelis eigentlich Flugzeuge, Drohnen und Bomben mit nicht unerheblicher Sprengkraft in den Gazastreifen, wenn dort doch nur kleine Raketen gebastelt werden?
Nun, die Antwort ist ganz klar: jeder Mensch, der die Geschehnisse im Gazastreifen etwas intensiver verfolgt als nur durch das Lesen der Texte auf solchen Schautafeln, jeder also nur einigermaßen informierte Leser unserer Tageszeitungen (und sei es z.B. nur die Süddeutsche Zeutung) weiß inzwischen, daß im Gazastreifen eine international bekannte Terror-Organisation herrscht: die HAMAS. Diese betreibt z.B. einen Fernsehsender, der im Kinderprogramm regelmäßig zum Mord an Juden aufruft und

[13] … hält sich zudem eine regelrechte Kinderarmee, erzieht sie zum Dschihad und unterweist sie im Gebrauch von Waffen. Sie veranstaltet im Sommer militärische Trainingslager, an denen Zehntausende von minderjährigen Palästinensern teilnehmen. Dort lernen sie, dass Selbstmordattentäter Vorbilder sind und wie man israelische Soldaten angreift.

Anscheinend hatten die Initiatoren der Ausstellung vergessen, auf diese nicht ganz unwesentlichen Details zu verweisen. Aber vielleicht sind ihnen diese auch nicht bekannt….

Anmerkungen und Links

[1] haGalil: Frieden ist möglich – auch in Köln (10.10.2018)
[2] Kölner Stadtanzeiger (11.10.2018): Kölner Südstadt: Pfarrer Mörtter kämpft gegen Verbot einer Palästina-Ausstellung
[3] (14.10.2018) Kölnische Rundschau: Palästinenser-Ausstellung: Jüdische Aktivistin bei Protest in Südstadt angegriffen
[4] (14.10.2018) haGalil: Kein Frieden in Köln
[5] (15.10.2018) Jüdische Allgemeine: Die Grenze wurde erneut überschritten
[6] (15.10.2018) Kölner Stadtanzeiger: Angriff am Chlodwigplatz, Israel-Aktivistin bei Mahnwache in Köln attackiert
[7] (15.10.2018) Malca Goldstein-Wolf auf Facebook
[8] Malca Goldstein-Wolf „Gegen die Klischees kämpfen“ name=“b8″>[8] Malca Goldstein-Wolf „Gegen die Klischees kämpfen“
[9] (März 2008) Spirit of Entebbe: Nachhilfe für Kartentrickser
[10] 2014, Beitrag von Friedensdemo-Watch
[11] (Oktober 2015) Lizas Welt: Antizionistischer Kartentrick
[12] Juden nach Madagaskar
[13] Das ABC der Hamas