In Bonn trafen sich zwar nicht 40000 wie einen Tag zuvor noch in Köln, aber trotzdem war gegen 14:00 Uhr das Beethoven-Denkmal am Münsterplatz umringt von einer bunten Schar türkischer Mitbürger, die sich hier zur Veranstaltung Bonn versammelt sich für die TÜRKEİ! einfanden. Diese schleppten einen Haufen phantasievoll bemalter und beschrifteter Plakate mit, wie z.B. die nebenstehende junge Frau. Besonders die Kinder fielen mir in dem Getümmel auf: viele noch im Kinderwagen, einige Dreikäsehochs hielten schon große Fahnen mit dem Bild von Atatürk hoch oder mit Überschriften wie „Europa braucht keinen Hitler mehr“.
Die Bilder sprechen für sich: hier trafen sich auf jeden Fall keine fanatischen Muslime, sondern moderne, laizistische Türken, denen der radikal-islamische Trend der AKPisten in der Türkei ein Greuel ist.
Nachdem die Demonstranten zum Bonner Marktplatz gezogen waren, konnte ich dort kurz mit einem der Zugbegleiter sprechen, einem jungen Mann, der Flugblätter verteilte.

Ich sprach ihn darauf an, daß es bedauerlich wäre, daß sich fast gar keine Deutschen an der Demonstration beteiligten. Auch er bedauerte das, aber er war guter Hoffung: über 60% der Türken seien laizistisch eingestellt, die Vertreter der AKP seien in Deutschland inzwischen in der Minderheit und in der Türkei werde sich der brutale Polizeistaat nicht lange halten können. Der Mann war übrigens seit 6 Tagen unterwegs, er wohnt eigentlich in Mönchengladbach und begleitete die Demonstrationen der letzten Tage in ganz Deutschland.
Am Rande der Demonstration standen auch ein paar AKPisten, erkennbar an ihren finsteren Mienen und gelegentlichem wütendem Geschrei in Richtung der Redner auf der Bühne am Marktplatz. Glücklicherweise war hier mit drei Einsatzwagen die Polizei ausreichend präsent, so daß nichts passierte.
Insgesamt hatte ich einen überwältigend guten Eindruck von dieser Versammlung, ich habe selten so viele sympathische, offen wirkende und freundliche Menschen auf einer politischen Veranstaltung gesehen, mit Kindern und Familien, ein krasser Gegensatz zu den Demonstrationen  und Veranstaltungen von Palästinensern, Feministinnen oder grünen Verbotsfanatikern. Die Türkei wird es mit diesen Menschen schaffen, den Diktator Erdogan  zum Teufel zu jagen.